Page 5 - Elektrosmog und Glyphosat
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  Vorwort
Wir leben in Zeiten des Umbruchs und der Neuorientierung. Wenn uns das nicht schon in den letzten Jahrzehnten auf den vielen Ebenen unseres Lebens klar geworden sein sollte, dann doch wahrscheinlich im Jahr 2020 mit dem globalen gesundheitlichen, politischen und sozioökonomischen Szenario rund um Covid-19. In der deklarierten Pandemie wurde diesem Virus sozusagen der Krieg erklärt – mit weitreichenden Konsequenzen in allen Bereichen unseres Seins. Die dafür zum Einsatz kommende Sprache könnte deutlicher nicht sein. Die Rede war vom »Krieg gegen das tödliche Virus« (Präsident Emmanuel Macron, März 2020), und es hieß, man müsse »jede Sekunde wachsam sein« (Kanzlerin Angela Merkel, April 2020). Wir befanden uns fortan im »Kampf gegen einen heimtückischen Feind«, es hieß: »Noch haben wir nicht gewonnen!« Ich könnte noch viele weitere Beispiele für diese Kriegsrhetorik anführen.
Seit Tausenden von Jahren war es Teil der menschlichen Fortentwicklung, die großen Tiere, mit denen wir unseren Lebensraum auf dieser Erde teilten, umzubringen. Weil sie uns gefährlich erschienen oder, ganz profan, um sie zu verspeisen. Mammuts, Bisons, Auerochsen, Wölfe, Bären, Nashörner und viele Raubkatzen sind entweder schon verschwunden, werden bald verschwinden oder sind nur noch in Zoos zu besichtigen. Neid auf die Ressourcen anderer, Gier und Machtbesessenheit haben die Menschen geleitet, sich in zahllosen Kriegen gegenseitig zu unterwerfen, umzubringen oder auszurotten. Im Ersten Weltkrieg haben wir eine weitere rote Linie überschritten, indem wir in großem Stil begannen, chemische Waffen gegen die Feinde einzusetzen. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Vernichtungsstrategie noch ausgeweitet. Nicht nur Menschen wurden massenhaft umgebracht. Auch Mutter Erde mit ihrer gesamten Flora und Fauna sowie das gesamte Mikrobiom wurde mit Gasen, Giften, Penicillin und anderen Antibiotika angegriffen. Wir wähnten uns seitdem auch in diesem Bereich auf einem Feldzug gegen die Natur. Im Vietnamkrieg wurde der Dschungel mit dem Entlaubungsmittel »Agent Orange« vernichtet. Die Nachfolger dieses chemischen Kampfstoffes sind die Organophosphate, die unter dem Namen Glyphosat weiteren Bewohnern dieser Erde, den sogenannten Unkräutern, den Garaus machen. Doch Glyphosat vernichtet eben nicht nur das Mikrobiom, sondern auch alle anderen Pflanzen mit Ausnahme der genmanipulierten Nutzpflanzen. Allein der Name Unkraut ist bezeichnend für die Arroganz des Menschen, Pflanzen in lebenswert und nicht lebenswert einzuteilen.
Laut offizieller Lesart der Hersteller für Herbizide erfolgen all diese Maßnahmen aus erhabenen und edlen Gründen. Mithin führen sie Glyphosat in die Schlacht, um den Hunger auf der Welt zu besiegen. So jedenfalls propagierte es
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